Vereinsgeschichte

Die Nachwendezeit

In der Vorwendezeit 1989 setzten sich einige Menschen in unserer Region zusammen, um die Neugründung der SPD zu beschließen. Zu diesen Mitgliedern der ersten Tage zählten unter anderen auch der Langebrücker Bürger Dr. Johannes Klosowski und der spätere Landtagsabgeordnete und Vereinsvorsitzende Peter Adler.

In der Folgezeit wurde, - noch verdeckt, da der Staatssicherheitsdienst der DDR (Stasi) noch tätig war -, an verschiedenen Orten Versammlungen abgehalten, bei denen nach und nach weitere Mitglieder aufgenommen worden. In der DDR wurde nunmehr auch die Sozialdemokratie unter den Namen SDP = Sozial Demokratische Partei neu gegründet. Diese wurde später in die SPD überführt.
In Radeberg wurde der Ortsverein "Radeberger Land" am 26. Januar 1990 in einem Hinterhaus in Langebrück, Dresdner Straße gegründet, damals noch mit Mitgliedern aus Langebrück und Ottendorf-Okrilla. Ottendorf-Okrilla bildete aber bald einen eigenen Ortsverein, - ist aber wieder im OV Radeberger Land -, und Langebrück kam mit der Gebietsreform zu Dresden. Damit auch seine SPD-Mitglieder.

Der Ortsverein Radeberger Land stellte sich dann den anstehenden Wahlen und brachte Mitglieder in die Stadtverordneten-versammlung Radeberg, - damals noch in die Gemeindevertretung Langebrück, in den Kreistag Dresden-Land, später, ebenfalls durch die Gebietsreform bedingt, in den Kreistag Kamenz und mit Peter Adler einen Vertreter in den sächsischen Landtag. Peter Adler wurde dort der parlamentarische Geschäftsführer der Fraktion. Dieses Amt hat er nach der Wahl 1999 nieder gelegt. Er war aber nach wie vor MdL. 

An der Wiege des an jedem 1. Mai in Radeberg stattfindenden "Radeberger Familienfest" sowie an den "Radeberger Gesprächen" stand unser Ortsverein.

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Sozialdemokratische Arbeit in Radeberg bis 1920

Am 9. Februar 1919 vermochte die Einwohnerschaft von Radeberg zum erstenmal auf Grund eines demokratischen Wahlrechts seine Stadtvertretung zu wählen.

Dem Wahlsieg der Radeberger Sozialdemokratie am 9. Februar 1919 folgte im Jahre 1920 die Wahl des ersten sozialdemokratischen Bürgermeisters.

Die Geschichte dieser Kämpfe gegen das Privilegienwahlrecht, eine Geschichte des ständigen Kampfes gegen Wahlrechtsraub. Im Jahre 1900 beteiligte sich die Sozialdemokratie das erstemal an einer Gemeindeverordnetenwahl. Der seinerzeitige Wähler musste, um sein Wahlrecht ausüben zu können, nachweisen, dass er sächsischer Staatsangehöriger war, mindestens 3 Mark Staats-einkommensteuer bezahlte und das Bürgerrecht erworben hatte, dessen Gewährung von der Zahlung einer Gebühr von mindestens 3 Mark abhängig war. Wahltag war ein Wochentag. Gewählt wurde in der Zeit von 11 Uhr vormittags bis 3 Uhr nachmittags, zu einer Zeit also, während der eine große Zahl Arbeiter, insbesondere die auswärts Arbeitenden, an die Arbeitsstelle gefesselt war. Die Wahl erfolgte in 2. Gruppen. Von 18 Stadtverordneten durften höchstens 9 "Unansässige" sein, in der Regel waren es nur

6. 9 bis 12 Sitze waren den "Ansässigen", den Hausherren und Grundbesitzern, vorbehalten. An diesem "Wahlrecht" mussten alle Anstrengungen der Arbeiter, jemals in der Gemeindestube die ihr zukommende Vertretung zu finden, scheitern. Die breiten Massen waren politisch minderen Rechts. Das Bürgertum brauchte den Einfluss der Arbeiter nicht zu fürchten. Da jährlich ein Drittel der gewählten Gemeinde verordneten ausschied, schritt man jährlich zur Wahl. Gewählt wurde, wie heute, nach Listen. Von den eingereichten Listen konnten jedoch Kandidaten gestrichen und Kandidaten anderer Listen hinzugeschrieben werden.

Bei der ersten Wahl, an der sich Sozialdemokraten beteiligten, erhielt Genosse Ernst Braune 128 Stimmen. Genosse Magnus Ruhtz erhielt 78 Stimmen. 1904 verband man sich mit den Gewerkvereinlern, ebenfalls erfolglos, 1905 erhielt Genosse Braune 375 Stimmen. Er war damit zum erstenmal mit 15 Stimmen Mehrheit gegenüber dem damaligen Oberlehrer Adler

zum Stadtverordneten gewählt worden. 1900 fiel Genosse Braune infolge flauer Wahlbeteiligung der Arbeiter wieder durch. An seiner Stelle wurde ein Gewerkvereinler, der noch jetzt (1929) tätige Demokrat Habedank, gewählt.

1909 stieg die Sozialdemokratie daraufhin mit ganz besonderer Verve in den Kampf. Man griff die bürgerliche Finanzpolitik in mehreren Zeitungsartikeln, an, die das damals "fortschrittlich" eingestellte Hordlersche Tageblatt veröffentlichte. Es wurde festgenagelt, dass die bürgerliche Mehrheit von den Besitzenden viel zu niedrige Gemeindezuschläge erhebe und dass durch eine uferlose Anleihewirtschaft - die Anleiheschuld der Stadt Radeberg bezifferte sich 1909 auf etwa 2,25 Millionen Goldmark - die Stadtkasse jährlich mit 80.000 Mark Zinsen belastet werde, Das "konservative" Amtsblatt des Herrn Mauersberger antwortete in Gegenartikeln. An den Stammtischen wurden diese Kontroverse allgemeiner Gesprächsstoff. Die Folge war eine außerordentlich rege Wahlbeteiligung. Genosse Braune erhielt bei insgesamt 1.000 Wählern etwa 600 Stimmen, mehr, als wie je zuvor auf einen bürgerlichen Kandidaten abgegeben worden waren. Gewählt wurden vier Sozialdemokraten (Braune, Gabel, Rosenkranz, Kasper); drei weitere Genossen (Menzel, Gottschalk, Spanke) unterlagen mit nur 15 bis 16 Stimmen.

Dieser Erfolg der Sozialdemokratie veranlasste den bürgerlichen Stadtverordneten Rechtsanwalt Eckenbrecht in der nächsten Sitzung zu einer denkwürdig gewordenen Rede. Er führte im November 1909 aus: Die große Zahl der Wähler sei dumm geboren worden und habe nicht gelernt, politisch zu denken. Darum sei sie auf die Agitationspolitik der Roten hereingefallen. Man beschloss auf seinen Antrag die Einführung eines Klassenwahlrechts! So etwas hat es in Radeberg wirklich einmal gegeben... Trotz lebhafter Opposition der vier gewählten Sozialdemokraten wurde 1910 das Wahlrecht im Sinne des genannten Antragstellers zuungunsten der breiten Wählermassen verschlechtert. Die erste Klasse, umfassend die Wähler bis 1.800 Mark Einkommen, stellte 6 Vertreter, die 2.Klasse, Wähler bis 2.800 Mark Einkommen, 8 Vertreter und die 3. Klasse, Wähler über 2.8OO Mark Einkommen 7 Vertreter. Im Herbst 1910 wurde das erstemal nach diesem Klassenwahlrecht gewählt. Die l. Klasse wurde vollständig von der Sozialdemokratie erobert.

1911 eroberte man außerdem 2 Vertreter der 2. Klasse, so dass nunmehr 8 Sozialdemokraten in der Gemeindestube saßen. Daraufhin wurde das Wahlrecht ein zweites Mal verschlechtert. In den Massenstall der l. Klasse, die ja nur 6 Vertreter stellte, wurden alle Wähler getrieben, die bis 2.200 Mark Einkommen versteuerten. Alle Personen, die im Jahre eine, wenn auch nur  einmalige Armenunterstützung erhalten hatten, waren vom Wahlrecht ausgeschlossen. Alle in der Wohlfahrts- bzw. Armenversorgung Befindlichen hatten - im Gegensatz zu heute - kein Wahlrecht, Bei einer derartigen Niedertracht und Heimtücke war es erklärlich, dass bei der folgenden Wahl zwei Sitze verloren wurden. Als 1918 die Revolution ausbrach, berief der damalige Bürgermeister Dr. Bose eine gemeinsame Sitzung des Rates und der Stadtverordneten zusammen. In dieser wurde auf Antrag des Genossen Braune und angesichts der überfüllten Tribünen und der auf dem Marktplatz versammelten großen Masse Arbeiter einmütig beschlossen, für die Wahl der Stadtverordneten das allgemeine, gleiche und geheime Wahlrecht einzuführen. Dieser Beschluss wurde durch ein Dekret der Volksbeauftragten in Berlin überholt, das bekanntlich auch den Frauen gleiche politische Rechte brachte.

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